„Beat Gloggers Roman "Xenesis" zur Xenotransplantation ist so tatsächlich denkbar.“

nano auf 3sat

Menschen mit Nierendefekt leiden Qualen. Sie müssen drei Mal pro Woche oder noch öfter ins Spital zur Dialyse. Eine Maschine führt für einen Menschen das aus, wozu sein Körper nicht mehr in der Lage ist. Sie reinigt das Blut und bewahrt ihn so davor, sich selbst zu vergiften. Doch die Dialyse ist eine Tortur, von der es nur eine Erlösung gibt, wenn sich ein Spenderorgan zur Transplantation finden lässt. Viele Patienten warten jedoch vergebens. Jeder zehnte stirbt, bevor ein geeignetes Organ gefunden wird.

Ein Ausweg wäre die übertragung von Tierorganen auf den Menschen. Was heute noch Zukunftsmusik ist, wird in wenigen Jahren medizinische Routine werden. Weltweit wird an der so genannten Xenotransplantation geforscht. Einige Experimente sind auch schon am Menschen durchgeführt worden. Doch keiner überlebte mehr als ein paar Tage. Doch bereits gibt es in England gentechnisch veränderte Schweine, deren Organe vom Menschen nicht mehr abgestossen werden.

Unbekannt ist aber, welche wirklichen Gefahren die Xenotransplantation in sich birgt. Auch wenn die Organe dereinst aus genetisch massgeschneiderten Spendertieren stammen werden, und auch wenn die Transplantate in sterilen Hochsicherheitsställen gewonnen und auf alle erdenklichen Krankheitserreger getestet werden, eine Gefahr lässt sich nicht bannen: die endogenen Retroviren.

Die Tierorgane könnten sich als genetische Zeitbomben entpuppen. Denn bei allen Lebewesen besteht ein grosser Teil des Erbgutes aus "genetischem Müll". Ein Teil davon wurde ursprünglich von Retroviren eingeschleust. Im Erbgut der Schweine wurden schon diverse endogene Retroviren identifiziert. Weitere, heute noch unbekannte, werden noch entdeckt werden. Die Befürchtung vieler Wissenschaftler ist, dass die versteckten Retroviren lange Zeit im Wirt schlummern und plötzlich aktiv werden.

Retroviren schleusen ihr Genom in jenes des Wirts ein und passen sich dort perfekt in die Umgebung ein. Sie warten, bis Jahre oder gar Jahrzehnte nach der Infektion die Krankheit ausbricht. Diese Art von Viren sind Meister der biologischen Tarnung, es gibt kein Mittel gegen sie. Aids ist so eine Krankheit. Und Aids zeigt auch, was passieren kann, wenn eine Krankheit vom ursprünglich tierischen Wirt auf den Menschen überspringt. Auch die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit als Abkömmling vom Rinderwahn hat den Sprung vom Tier auf den Menschen geschafft. Diese Krankheiten fanden ihren Weg alleine.
Mit einer Xenotransplantation pflanzt man den Feind direkt in den Körper des Menschen. Und es gibt handfeste Hinweise, dass gerade die gentechnische Anpassung von Tieren an den Menschen das Risiko noch erhöht. Und nach der Transplantation werden die natürlichen Abwehrmechanismen medikamentös unterdrückt. Die Tore stehen sperrangelweit offen!

Mit diesen Möglichkeiten spielt der Wissenschafts-Thriller. Er entwirft kein absurdes Horrorszenario, sondern spielt mit den in der Wissenschaft aktuell diskutierten Möglichkeiten.